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Kälberkot richtig beurteilen
Landwirtin mit Kälbern im Stall

Kälberkot richtig beurteilen

Geschrieben von Nina Rittweg

Kälberdurchfall ist wahrscheinlich die häufigste Rinderkrankheit und trifft gerade die jüngsten Mitglieder des Betriebes, die noch besonders anfällig für diverse Infektionserreger sind. Um den drohenden Kälberverlusten effektiv entgegenwirken zu können, ist es wichtig, dass Sie als FARMCHAMP das komplexe Problem des Durchfalls junger Kälber (in den ersten 3 Lebenswochen) verstehen und die wichtigsten Erreger kennen!

Häufigste Durchfallerreger beim Kalb

Sowohl Viren und Bakterien als auch Parasiten können Kälberdurchfälle verursachen, wobei häufig Mischinfektionen vorliegen. Im Folgenden finden Sie eine Übersicht über die üblichen Erreger, die für diese schweren Durchfallerkrankungen verantwortlich sind.

Virale Erreger

Viren sind die kleinsten der genannten Erreger und greifen die Oberfläche des Darms direkt an, wodurch die Nahrung dann nicht mehr ordnungsgemäß abgebaut werden kann und im Darm zu faulen und zu gären beginnt. Um die anfallenden Substanzen zu verdünnen und auszuschwemmen, werden dann große Mengen Körperwasser passiv in den Darm gezogen: Die Kälber trocknen aus und können später abmagern, da sie kaum mehr Nährstoffe aufnehmen können. Eine Erholung der Darmoberfläche dauert bei Virusinfektionen besonders lange.


Rota-Virus
Rota-Viren haben mit nur 12h (bis drei Tagen) eine kurze Inkubationszeit (also die Zeit von der Infektion bis zum Ausbruch der Krankheit), was dazu führt, dass Kälber bereits 12-24h nach der Geburt bereits Rota-Virus-bedingten Durchfall bekommen können. Dafür kann sich das Immunsystem der Kälber schon nach wenigen Tagen sehr gut gegen eine Infektion schützen und Kälber, die älter als 10 Tage sind, erkranken so gut wie nicht mehr an diesem Virus.

Handelt es sich um eine reine Rota-Virus-Infektion, stellt sich der Kot meist wässrig bis gelartig-weiß dar, da es sich vornehmlich um Schleim mit unverdauten Milchbestandteilen handelt. In schweren Fällen können auch Spuren von Blut im Schleim zu finden sein. Dies wird z.T. auch als weißer oder blutiger Kälberdurchfall bezeichnet. Wobei wie bei allen Erregern nur schwer vom Aussehen auf die Erreger geschlossen werden kann.


Corona-Virus
Die bovinen Coronaviren, die so heißen, weil sie im Elektronenmikroskop eine Art Krone tragen (lat. Corona = Krone), verhalten sich sehr ähnlich dem Rota-Virus und führen ebenfalls zu wässrigem, gelartigem Kot, tendenziell aber eher gelblich, und im Schleim finden sich geronnene Milchbestandteile und teilweise Blut.

Obwohl die bovinen Coronaviren auch an Atemwegsinfektionen bei Rindern beteiligt sein können, sind sie nach derzeitigem Kenntnisstand nicht auf den Menschen übertragbar!

Coronavirus

Bakterielle Erreger

Viele Bakterien kommen im Darm von gesunden Kälbern vor und werden erst dann zum Problem, wenn das Kalb zusätzlichen Stressfaktoren ausgesetzt und dadurch weniger abwehrstark ist oder es sich um spezielle toxinbildende (giftstoff-bildende) Erreger handelt. Diese können nicht nur lokal die Darmoberfläche schädigen, sondern auch in die Produktion der Darmenzyme eingreifen oder bei schweren Fällen in den Organismus übertreten und eine Sepsis verursachen.

Escherichia coli

Der wohl berühmteste Durchfallerreger ist E. Coli. Tatsächlich handelt es sich aber nicht um einen einzelnen Vertreter, sondern vielmehr um eine ganze Gruppe verschiedener E. Coli-Stämme. Verschiedene Vertreter der E.-Coli-Familie sind reguläre Darmbewohner, nur wenige davon können Durchfälle auslösen. Darunter spielen vor allem ETEC (enterotoxische E. Coli) und EPEC (enteropathogene E. Coli) beim Kalb eine entscheidende Rolle. Deren Toxine schädigen die Darmoberfläche massiv, was sich in einer allgemeinen Darmentzündung und daraus folgend in Bauchschmerzen und wässrigem Kot äußert, selten mit Blutbeimengungen. Die Toxine können im weiteren Verlauf dann aber auch in den Organismus aufgenommen werden und zur Sepsis und damit zum Tode führen. Wie bei Rota- und Corona-Viren sind meist nur Kälber in der ersten Lebenswoche betroffen, später ist das Immunsystem deutlich besser in der Lage, die E.-Coli in Schach zu halten.

Escherichia-Coli-Stämme können auch den Menschen befallen und zu verschiedenen Krankheitsbildern, meist jedoch ebenfalls zu Durchfällen führen.

Gegen alle drei bisher genannten Erreger (Rota- und Coronaviren und E. Coli) hilft die Mutterschutzimpfung!

Clostridien

Durchfallerkrankungen, die durch Clostridien-Infektionen hervorgerufen werden, sind in Deutschland sehr selten anzufinden. Die fraglichen Toxovare (produzierte Gifte) von Clostridium perfringens gehören nicht zum klassischen Spektrum der Kälberdurchfall-Erreger, doch auch sie können gerade in den ersten Lebenstagen zu schwerwiegenden Erkrankungen führen. Typisch sind plötzliche Todesfälle ohne vorangegangenen Krankheitsverlauf. Sollten die Kälber jedoch zunächst überleben, kann es zu Kolikerscheinungen und wässrig-blutigem Durchfall in eher geringer Menge kommen. Statt des Erregers selbst, müssen für eine eindeutige Diagnose seine Toxine nachgewiesen werden.

Schon vom Kälbersensor gehört? Damit bekommen Sie ein Frühwarnsystem an die Hand, welches Kälberkrankheiten bis zu drei Tage vor Ausbruch erkennen kann.

Parasitäre Erreger

Kryptosporidien Kalb

Cryptosporidium parvum, einer der häufigsten Durchfallerreger beim Kalb, gehört ebenfalls zu den Kokzidien und kann auch beim Menschen schwere Durchfälle verursachen. Meist sind hier jedoch Kälber erst ab der zweiten Lebenswoche betroffen, in der Regel frühestens am vierten Lebenstag (normale Inkubationszeit: 6-8 Tage). Da diese Erreger weit verbreitet sind, machen wahrscheinlich mehr als 60 % aller Kälber eine Infektion durch, die jedoch meist ohne Symptome verläuft, wenn kein weiterer Faktor hinzukommt (hoher Infektionsdruck, Stress oder andere Erreger).

Die ausgeschiedenen Stadien dieser Einzeller können in der Umwelt sehr lange überdauern. Um den Infektionsdruck gering zu halten und Infektionsketten zu unterbrechen, müssen daher die betroffenen Stallabteile und Iglus äußerst gründlich gereinigt werden und auch der Übertrag zwischen gesunden und erkrankten Kälbern mit strikten Hygienemaßnahmen minimiert werden.

Diagnosemöglichkeiten

Für die Behandlung des erkrankten Einzeltieres ist der Versuch einer Ursachenforschung nicht sinnvoll. Bei bestandsweisem gehäuftem Auftreten von Durchfällen innerhalb der ersten 21 Lebenstage sollten jedoch Kotproben zur Untersuchung auf die genannten Mikroorganismen (und Salmonellen) eingeleitet werden. Dabei ist zu beachten, dass insbesondere virale Erreger nur kurze Zeit nach Krankheitsausbruch nachweisbar sind.

Sind auch oder vor allem ältere Tiere betroffen, kommen eher Kokzidien, Salmonellen und bei wechselhaft auftretendem Durchfall auch Giardien infrage.

Schnelltest

Haben Sie es bereits auf die klassischen Durchfallerreger der Jungkälber eingegrenzt, gibt es noch eine weitere Möglichkeit, den Erreger auch ohne Labor genauer zu bestimmen. Mit dem Durchfallerreger-Schnelltest können Sie selbst am Hof eine sogenannte „koprologische“ Untersuchung (also einen Kot-Test) durchführen!

Unser Schnelltests geben Ihnen nach nur wenigen Minuten Auskunft, ob Ihre Kälber unter Rota-, Coronaviren, E.Coli-Bakterien, Kryptosporidien oder Clostridien leiden.

Die Anwendung ist dabei denkbar einfach. Eine kleine Menge des fraglichen Kälberkots, möglichst direkt aus dem After des Kalbs entnehmen und in das Probenröhrchen geben, mit der darin befindlichen Flüssigkeit vermischen und anschließend das Probenröhrchen in das Testgefäß stecken und fest verschließen, bis der Verschluss zweimal klickt. Dadurch wird das Probenröhrchen perforiert und die Flüssigkeit kommt in Kontakt mit den Teststreifen. Nach nur 10 Minuten liefert der Test dann schon Ergebnisse. Ist ein Erreger nachgewiesen worden, finden sich nun zwei waagrechte Linien auf dem entsprechenden Teststreifen!

Ein anschauliches Video zur Anwendung des Schnelltests finden Sie hier: 

Weitere Durchfallerreger beim Kalb

Salmonellen

Gefürchtet im Stall sind auch Salmonellen, vornehmlich Salmonella typhimurium und Salmonella dublin. Obwohl sie nicht klassisch zum Kälberdurchfall-Komplex gehören, sondern eher ausgewachsene Rinder betreffen, sollte auch bei Kälbern an diese Option gedacht werden. Salmonellen können bei Kälbern neben starken, blutigen Durchfällen mit rasch folgender Sepsis auch zu leichten grünlichen Durchfällen ohne Einschränkungen des Allgemeinbefindens führen und so mit dem klassischen Neugeborenendurchfall verwechselt werden. Eine Salmonellen-Infektion ist anzeigepflichtig und führt zu seuchenrechtlichen Maßnahmen!

Kokzidien

Unter der Kokzidiose versteht man eine Infektion mit Eimeria bovis oder Eimeria zuerni. Sie trifft meist ältere Kälber und Jungrinder ab etwa 10 Wochen bis 2 Jahren. Diese Kokzidien werden meist durch Zukauf eingeschleppt und können auch ohne dramatische Durchfälle massiven wirtschaftlichen Schaden verursachen. Denn sie führen zu einem weitreichenden Abbau des Darmepithels der hinteren Darmabschnitte, was zu einer gestörten Nährstoffaufnahme und -verwertung und damit zu Gewichts- und Zunahmeverlusten führt, die oftmals nicht mehr aufzuholen sind. Kommt es zu einem tatsächlichen Durchbruch der Krankheit, so zeigen die Tiere wässrigen, blutigen Durchfall, stellen die Futteraufnahme ein und magern stark ab.

Giardien

Giardia intestinalis wird meist im Kot von älteren Kälbern nachgewiesen und Infektionen verlaufen in aller Regel mild bis asymptomatisch. Gelegentlich kann es jedoch zu wiederkehrenden Durchfällen führen, denen man ebenfalls mit einer Kotuntersuchung nachweisen kann.

Sonstige Erreger

Im Durchfall erkrankter Kälber können diverse weitere Erreger gefunden werden, darunter beispielweise Noroviren, Campylobacter oder Pilzarten (Candida), die jedoch eher selten „im Alleingang“ Durchfallerkrankungen auslösen können.

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FarmCHAMPs-Autorin Nina Rittweg
Autor

Nina Rittweg

Über Nina Rittweg: "Besser geht immer! Als Rindertierärztin stehe ich jeden Tag auf verschiedenen landwirtschaftlichen Betrieben: Ich sehe die Futtertische, die Silos, die Kühe und Kälber - und überall Potential, immer noch ein bisschen besser zu werden. Gerne trage ich mit meinem Wissen aus Studium, Wissenschaft und Praxis dazu bei!"

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